Servets Leben (2)
Servets Leben (2)

 

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Auf der Durchreise hatte er einen Gottesdienst besucht - Johannes Calvin war der Prediger. Der Reformator lässt Servet sofort festnehmen und liefert dem Gericht Beweise: Briefe, aus denen Servets »Ketzerei« hervorgeht. Calvin wird zum Zeugen, Ankläger und Gutachter zugleich. Dessen Hinrichtung ist für ihn unbedingt nötig - »aber es ist mein Wunsch, dass die Grausamkeit der Hinrichtung gemildert wird«, schreibt er einem Freund. Am 26. Oktober fällt der Rat der Stadt das Todesurteil. In der Todeszelle verweigert Calvin Servet Trost und Segen. Tags darauf wird der Humanist Servet auf besonders grausame Art auf dem Scheiterhaufen geröstet, mit ihm gehen seine Bücher in Flammen auf. Calvin hat sein Ziel erreicht. Ein weiteres »verfaultes Glied« ist von der Kirche geschnitten worden.

 

»Was wird von der Religion noch übrig bleiben«, fragt Calvin danach rechtfertigend, »was wird schließlich Christus selber noch sein, wenn die Lehre der Frömmigkeit unsicher und zweifelhaft wird?« Sogar der als sanft geltende Wittenberger Reformator Philipp Melanchthon dankt Calvin für dessen Skrupellosigkeit. Die Verbrennung Servets sei »ein frommes und denkwürdiges Beispiel«.

 

Gedenken (fast) ohne Namen

 

Es scheint so zu sein: Der mutige humanistische Gelehrte Michael Servet wurde Opfer der Angst um den Fortbestand der Kirche. Einer Angst, die sogar die Reformatoren umtrieb, die ja angetreten waren, die Kirche von Grund auf zu erneuern.

 

Und die heute gefeiert werden. Den Gedenkstein für Michael Servet hingegen findet man nur schwer. An einer Straßenkreuzung auf dem Genfer Hügel Champel steht der große Findling. Auf einer Seite, hinter Sträuchern kaum lesbar, wurde der Name Michael Servet eingraviert. Auf der anderen steht ein Text, den die reformierte Kirche 1903 eingraviert hat, »dankbar und voller Respekt gegenüber Calvin, unserem großen Reformator, verurteilen wir dennoch einen Irrtum, der der Irrtum seines Jahrhunderts war«. Die Hinrichtung Servets wird zum Betriebsunfall der Reformation erklärt. Auch der Genfer lutherische Pastor Marc Blessing wundert sich: »Es überrascht, dass der Namen Michael Servet gar nicht auftaucht. Insofern hat man sich fast ein Denkmal gesetzt für die Reformation und in keiner Weise auch der Berechtigung der Servet'schen Gedanken Rechnung getragen.«

 

Es ist also längst an der Zeit, das Leben und Schicksal Michael Servets ins Gedächtnis zu rufen. Erst recht in der Vorbereitung des 500-jährigen Reformationsjubiläums 2017.

 

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