Servets Leben (1)
Servets Leben (1)

 

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Durch einen franziskanischen Mönch hatte Michael Servet den Geist des Humanismus entdeckt, jene Denkrichtung, die von Norditalien aus ganz Europa erreichte. Er beginnt, Rechtswissenschaft zu studieren. Doch seine Leidenschaft gehört der Theologie. Seine Erkenntnis: Wenn die Humanisten recht haben mit ihrer Lehre, man solle zu den Quellen zurückkehren - dann müssten sich die Christen von der Trinitätslehre verabschieden. Die Vorstellung, dass Gott »dreifaltig« sei, aus drei Wesenheiten bestehe - Gott-Vater, Sohn und Heiligem Geist -, das sei schlicht unbiblisch.

 

Dialog mit Juden und Muslimen

 

Ein weiterer Grund treibt Servet zu der Ablehnung der Trinitätslehre. Er will Muslimen wie Juden ein wichtiges Argument gegen den christlichen Glauben nehmen. Denn aus beiden Religionen sind Polemiken zu hören. Die Christen würden eigentlich an drei Gottheiten glauben, heißt es. Zu Recht, meint Servet. Ein Dialog zwischen den drei verschwisterten Religionen könne nur gelingen, wenn alle an eine - und nicht an mehrere - Gottheiten glauben würden.

 

Im Alter von zwanzig Jahren präsentiert Michael Servet seine Argumente in Buchform. »De trinitatis erroribus«, lautet der Titel, »Der Irrtum der Dreifaltigkeit«. In seltener Einmütigkeit bezichtigen der katholische Klerus und die Reformatoren Servet der Gotteslästerung. Beim altkirchlichen Glaubensbekenntnis endet ihr Reformwille, die Dreifaltigkeit Gottes wollen sie stehen lassen, das war schließlich die Grundlage des Glaubens seit 1200 Jahren! Michael Servet ist ihnen zu radikal.

Servet nimmt einen neuen Namen an. In Paris sucht er Unterschlupf. Er entschließt sich, seiner zweiten Leidenschaft zu folgen, der Medizin. In Paris, dann in Lyon studiert er. Als Doktor der Medizin erlangt er einigen Ruhm - allerdings unter dem Pseudonym Michel de Villeneuve. Unter anderem entdeckt er den Blutkreislauf durch die Lunge, Ergebnis seiner Leichensezierungen. Daneben veröffentlicht er astrologische und geografische Bücher.

 

Für den Genfer Reformator Johannes Calvin ist Servet ein Gotteslästerer. »Für Calvin waren Leute wie Servet, also Leute, die sich gegen die offizielle Kirche stellten, eigentlich keine Menschen. Da hat er oft von »Hunden« und »Schweinen« gesprochen«, erzählt Hans Weber, bis vor Kurzem Pastor in der reformierten Genfer Kirche St. Madeleine. Weber verbindet viel mit dem »Fall Servet«: In seiner Kirche begann am 13. August 1553 der dramatische letzte Lebensabschnitt des Humanisten.

 

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